Standards unserer Lernkultur
Unser Lernprozess ist als offener Großgruppenprozess gestaltet. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es damit gelingt, der Unterschiedlichkeit unserer Ennea-Muster gerecht zu werden. Wir streben einen Prozess an, der sowohl die persönliche Entwicklung des Einzelnen als auch das Wachstum der Gruppe fördert. Die Lernkultur wird zu Beginn und während der Seminare etabliert.
Der Offene Großgruppenprozess
Die Offenheit des Prozesses ist höchster Grundwert dieser Idee. Kein zeitlich organisiertes Konzept, keine noch so gekonnte Erst-dies-dann-das-Didaktik darf den tatsächlichen Entwicklungsschritten aller Beteiligten im Wege stehen. Die Inhalte gliedern sich durch Fragen, Wachstumsschmerzen, ausgesprochene Gedankengänge und Verarbeitungswege eines und einer Jeden.
Ein weiteres Charakteristikum ist die durchgängige Beteiligung aller Teilnehmenden am Prozessgeschehen, ohne Kleingruppen zu bilden.
Die Gemeinde baut sich aus der lebendig gegenseitigen Beziehung auf, aber der Baumeister ist die lebendig wirkende Mitte.
Martin Buber
In einem solchen Rahmen entsteht eine Achtsamkeit für den eigenen Lernprozess und den der anderen Teilnehmenden. So wächst allmählich ein Verständnis für die verschiedenen Aneignungswege und -hürden anderer Ennea-Muster.
Wir meinen, dass der offene Großgruppenprozess für die Vermittlung der Enneagramm-Idee der geradezu notwendige Vermittlungsweg ist, denn die neunfache Verschiedenheit der Menschen und ihrer Lernschritte wird hierbei direkt erlebbar.
Allein auf sich gestellt kann wahrscheinlich niemand die Inhalte so vermitteln, dass sich diese vielfache Anderheit augenfällig erschließt und präsent wird. Alle am Lernprozess Beteiligten müssen ihre Sicht und ihr bestätigendes oder korrigierendes Feedback dazu beitragen, damit die Wahrheit des Lebendigen, die die Enneagramm-Idee meint und beschreibt, aufscheinen kann.
Dieser Lehrprozess entwickelt sich zu einem Zusammenwirken, das Wilfried Reifarth als „Enneadynamik“ beschrieben hat. Darin werden Persönlichkeitsentwicklung und Ego-Reduktion möglich. Denn wir machen die Erfahrung, uns selbst und den Anderen zu erkennen.
Das Konzept ist durch Wilfried Reifarth in jahrzehntelanger Erfahrung in der Leitung von Gruppenprozessen entwickelt worden und wird kontinuierlich justiert und erweitert.
Ethische Standards
Wir verpflichten uns dem Ethischen Kodex der International Enneagram Association (IEA). Mit zunehmender Erfahrung in der Weiterbildung haben wir zusätzliche Standards für uns etabliert, wie den offenen Großgruppenprozess als Lernfeld, die Anpassung der Philosophie der Zwölf Schritte der Anonymen Alkoholiker und die Dialogphilosophie von Martin Buber. Diese Elemente erweitern die IEA-Standards. Sie haben den Weg der Achtsamkeit sowohl gegenüber der Idee als auch gegenüber den Menschen, die sich im Lernprozess befinden, sehr befördert.
Lernende und Lehrende
Unsere Lehrhaltung bezeichnen wir als Enneagogik. Sie versteht sich als Versuch, die Erwachsenheit aller am Lerngeschehen Teilnehmenden in den Vordergrund zu rücken und sie ernst zu nehmen. Lehrende und Lernende werden erst gemeinsam wirksam. Die Gleichwertigkeit beider Rollen bzw. der Wachstumsprozess hin zu gelebter Gleichwertigkeit auf beiden Seiten macht Entwicklungsprozesse erst möglich.
Auch wenn der Stil des Lehrens zur lehrenden Person passen muss und deshalb musterspezifisch ist, verbindet alle die Philosophie des offenen Großgruppenprozesses.
Beziehung ist Gegenseitigkeit. Mein Du wirkt an mir, wie ich an ihm wirke.
Martin Buber
AHLMOZ-Prinzip
Das Prinzip beruht auf Wilfried Reifarths Erkenntnissen in der Leitung von offenen Großgruppenprozessen und untersucht wiederkehrende Phänomene in Prozessen bzw. Faktoren, um deren Komplexität zu reduzieren und dennoch eine verantwortliche Steuerung zu ermöglichen. Die AHLMOZ- Faktoren lauten:
Angst
Humor
Liebe
Macht
Ordnung
Zeit
Gier wurde später ergänzt.
Ziel in der Prozesssteuerung ist es, die Dynamik der Faktoren durch gezielte Interventionen in einer harmonischen Balance zu halten. Mit der neunfachen Ausdifferenzierung der Faktoren – zum Beispiel: Was bedeutet „Ordnung“ für Menschen eines bestimmten Musters? – eröffnen sich neue Möglichkeiten, die Ennea-Muster noch genauer zu beschreiben, zu verstehen und die Muster-Findung zu erleichtern.